Statements von GET AHEAD im Gespräch mit Frau Dunja Koelwel (e- Commerce Magazin, Digital Business) zur aktuellen Entwicklung in der Digitalisierung.

1.) Zunächst einmal die Definitionen: Wie würden Sie einen Chief Digital Officer am besten beschreiben und was sind Ihrer Meinung nach dessen Aufgaben?

Der Chief Digital Officer (CDO) ist aus unserer Sicht der Verantwortliche für die digitalen Prozesse und die Vermarktung über alle Online-Kanäle. Diese Definition umfasst eine große Bandbreite an Verantwortlichkeiten, von der internen Wertschöpfung bis hin zur externen Vermarktung. Wir empfehlen unseren Kunden, die konkrete Ausrichtung an die Organisationsform sowie die jeweiligen Branchen und Zielmärkte anzupassen. Der Chief Digital Officer hat in jedem Fall eine Schnittstellenfunktion, die sehr unterschiedliche und bisher eher separierte Bereiche berührt oder diese sogar miteinander verbindet.

Grundsätzlich kümmert sich der CDO um die digitale Transformation in einem Unternehmen. Um im Rahmen dieser Aufgabe überhaupt handlungsfähig zu sein, sollte er mit einem eigenen Sitz im Vorstand vertreten sein. Aufgrund der aktuellen Entwicklung zur Industrie 4.0 ist er nicht nur Innovationstreiber für Strategien, Prozesse und Produkte, sondern auch Stratege, operativer Umsetzer, Change Manager und Impulsgeber. Zu seinem Aufgabenspektrum gehört es, interne Prozesse effizienter zu gestalten und die notwendigen Voraussetzungen für den digitalen Wandel zu schaffen.

Von strategischer Seite ist der CDO dafür verantwortlich, die Potenziale der Digitalisierung zu identifizieren und eine eindeutige Strategie zur Digitalisierung des Unternehmens zu erarbeiten. Wir von GET AHEAD würden auch die Definition einer Digitalstrategie für Marketing, Kommunikation und Sales zu seinen Aufgaben zählen.

Aus operativer Sicht ist der CDO für die vollständige Umsetzung der erarbeiteten Strategie zuständig. Dazu gehört auch die Begleitung von unternehmensweiten Change-Prozessen sowie das Einstellen passender Spezialisten für den digitalen Unternehmensumbau und die digitale Weiterbildung der Mitarbeiter.

2.) Haben Sie jemanden in Ihrem Unternehmen, der sich mit diesen Aufgaben befasst?

Die Digitalisierung ist zwar abhängig von der Geschäftsform, grundsätzlich betrifft sie allerdings jedes Unternehmen und gehört in die Hände einer erfahrenen Führungskraft. Für alle unsere Kunden, vor allem aus der produzierenden Industrie, spielen die für eine erfolgreiche Digitalisierung notwendigen Kompetenzen und Potenziale eine immer größere Rolle bei der Führungskräfteauswahl. Besonders die Themen Big-Data und Effizienzsteigerung durch Automatisierung und Standardisierung rücken immer mehr in den Fokus. Auch wir selbst sind davon betroffen und haben eine Vielzahl digitaler Projekte definiert, die unterschiedliche Projektverantwortliche haben, in die aber immer auch der Digital Officer involviert ist.

Als Profi für Executive Search unterstützen wir unsere Kunden beim digitalen Wandel und beraten Sie ausführlich bei der Suche und Einstellung geeigneter Führungspersönlichkeiten. Dabei erarbeiten und vermitteln unsere Berater ihren Kunden einen umfassenden Überblick über den Markt und die jeweiligen Besonderheiten der Branche und erstellen anschließend ein klares Anforderungs- und Kompetenzprofil.
Eine wichtige Empfehlung, die wir unseren Kunden außerdem mit auf den Weg geben: Der CDO sollte in jedem Fall eng mit der Geschäftsführung zusammenarbeiten, denn Digitalisierung ist immer auch Chefsache.

3.) Wurde dafür ein eigener Mitarbeiter eingestellt und eine neue Position geschaffen oder hat diese Stelle jemand anders übernommen und wenn ja, aus welchem Bereich kam dieser?

Zurzeit beobachten wir auf Kundenseite eine noch eher passive Einstellung gegenüber der Rolle des Chief Digital Officers beziehungsweise der Schaffung einer derartigen Position. Oft übernehmen verschiedene Geschäftsbereiche unterschiedliche Aufgaben und Prozesse im Zuge der Digitalisierung. Führend in diesem Zusammenhang ist meist die IT sowie Forschung und Entwicklung. Wir empfehlen unseren Kunden jedoch, klare Verhältnisse zu schaffen. Viele Unternehmen sind noch sehr zurückhaltend, wenn es um Investitionen in die Zukunft und Technologien geht. Ein offizieller Chief Digital Officer kann klare Argumente für gezielte Investitionen schaffen und aufzeigen, welche Chancen eine integrierte Digitalisierung für das Unternehmen in puncto Wettbewerbsfähigkeit, Marktpositionierung, Geschäftsentwicklung und Arbeitsplätze bietet.

4.) Braucht man eigentlich diese Position, oder ist das einfach wieder ein neues Buzzword für die Visitenkarte?

Unserer Erfahrung nach muss die Digitalisierung auf jeden Fall in der Organisation verankert und eine offiziell verantwortliche Person benannt sein. Welchen Titel diese trägt, ist sekundär. Wesentlich wichtiger sind Technologie-Affinität und Innovationsvermögen sowie eine führungs- und kommunikationsstarke Persönlichkeit.

Der Nutzen eines Chief Digital Officers ist zudem abhängig von der Unternehmensgröße. Unternehmen, die auf einen CDO verzichten, empfehlen wir jedoch, diese Rolle und die mit ihr verbundenen Aufgaben auf eine andere Position, wie den COO oder CIO, zu übertragen. Denn ohne klare Führung ist es eher unwahrscheinlich, dass die digitale Transformation gelingt.

Über den Autor

Matthias Zühlke ist Geschäftsführender Gesellschafter und Vorstand der GET AHEAD Executive Search GmbH.

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Die Personalberatung GET AHEAD. Executive Search ist spezialisiert auf die Besetzung von Führungskräften und Positionen im Top-Management. Sie verbindet umfassender Branchenexpertise mit Funktionsspezialisierung und ist Partner im Netzwerk von Friisberg & Partners International.

 

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